Die digitale Wand

Unser Lieblings-Mittagslokal ist das Lilly Jo an der Pfingstweidstrasse. Hier gehen wir fast täglich zur Stärkung hin. Es funktioniert im Grunde genommen wie viele andere Schnell-Restaurants. Es gibt eine Bestell- und Abhol-Theke mit uniformiertem Personal, man bekommt sein Essen auf einem Tablett, setzt sich damit an einen Tisch und bringt es vor dem Verlassen des Lokals zur Abräumstation. All das findet man auch bei McDonalds – aber nicht auf diesem Niveau: Jeden Tag gibt es zwei einfallsreiche Menüs mit hochwertigen, gesunden Zutaten, serviert in Keramik-Geschirr. Das moderne Interieur mit hübschen Möbeln und hellen Farben verbreitet eine gemütliche Atmosphäre. Das Theken-Personal geht auf individuelle Wünsche ein, erklärt einem freundlich das aktuelle Tages-Menu. Obwohl zügig gearbeitet wird, wird man als Gast nicht unter Zeitdruck gesetzt. Der Leiter des Lokals kennt die Stammgäste mit Namen, erkundigt sich danach, wie es bei der Arbeit läuft, spendiert auch einmal einen Espresso oder ein Glacé. Ein Schnell-Restaurant mit echter Gastgeber-Kultur, in dem man sich wohlfühlt.

Niemand, der das Lilly Jo betrat, dachte an McDonalds – bis vor einigen Wochen eine Stele mit einem Touch-Screen Einzug hielt. Es gibt Orte, bei denen nichts Wertvolles verloren geht, wenn ein Touchscreen Bedienpersonal ablöst, das, mit Headset verkabelt, einem Robotern gleich seine Arbeit verrichtet. Das Lilly Jo ist kein solcher Ort. Hier erleben wir die Einführung des Touchscreens, als ob eine Wand eingezogen worden wäre. Wir nennen sie die digitale Wand. Aber wir werden Wege finden, um auch in Zukunft das Team von Lilly Jo persönlich zu erleben und uns von ihm zu Zusatzkäufen verführen zu lassen.

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