Fürsorge

„Mit 80 Rappen mehr wären Sie auf dem Rückweg auch wieder in der 1. Klasse“, sagt der Kondukteur zum Zugreisenden, der an Bord des Intercity-Zugs einen Klassenwechsel löst. Der aufmerksame SBB-Angestellte hat vermutet, dass der Kunde am selben Tag wieder zurückfahren würde und mit ein paar Fingertipps auf seinem Multifunktionsgerät die Preise verglichen. Der Kunde nutzt das Angebot, bezahlt das Billett samt 80-Rappen-Aufpreis und freut sich, dass er auch auf der Rückreise in der komfortablen 1. Klasse sitzen darf. Dass der Kondukteur in seinem Sinn mitdenkt, ist eine erfreuliche Überraschung. Sogar zwei Reihen hinter dem Reisenden bekommt man noch mit, dass er sich wertgeschätzt fühlt.
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Big Moments

Der Mitarbeiter am Schalter der Autovermietungsgesellschaft kann sich einen ironischen Kommentar nicht verkneifen, als er mir das Formular überreicht: «The big moment», kündigt er schmunzelnd an. Er meint damit aber nicht etwa die Mietvertragsunterzeichnung, sondern die Wahl der Zusatzversicherung. Sich an Ort und Stelle für ein Versicherungspaket entscheiden zu müssen, ohne Zugriff auf relevante Informationen, dafür aber im Wissen, dass hinter einem eine Schlange ungeduldiger Kunden wartet – das ist «der grosse Moment», der weltweit zu einem festen Bestandteil des Kundenerlebnisses bei Fahrzeugvermietungen geworden ist.
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Die digitale Wand II

Flatscreens mit Bildern der Medikamenten-Schächtelchen statt Regale; ein automatisiertes Warenlager, das Medikamente auf Knopfdruck in ein Ausgabefach befördert. Ich frage mich für einen Moment: «Warum nicht gleich einen Selecta-Automaten hinstellen?»
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Halbjahresabschluss

Der Zufall wollte es, dass wir dem höheren Kader eines Kunden just an dem Tag die Resultate unserer Arbeit vorstellten, an dem das börsenkotierte Unternehmen seinen Halbjahresabschluss veröffentlichte. Wir hatten für das Unternehmen mittels persönlicher offener Interviews eine in die Tiefe gehende Befragung seiner verschiedenen Kundschaftsgruppen durchgeführt und auf dieser Basis die heutige Positionierung und Wahrnehmung sowie Vorschläge für die künftige Ausrichtung des Unternehmens entwickelt.

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Die digitale Wand

Unser Lieblings-Mittagslokal ist das Lilly Jo an der Pfingstweidstrasse. Hier gehen wir fast täglich zur Stärkung hin. Es funktioniert im Grunde genommen wie viele andere Schnell-Restaurants. Es gibt eine Bestell- und Abhol-Theke mit uniformiertem Personal, man bekommt sein Essen auf einem Tablett, setzt sich damit an einen Tisch und bringt es vor dem Verlassen des Lokals zur Abräumstation. All das findet man auch bei McDonalds – aber nicht auf diesem Niveau: Jeden Tag gibt es zwei einfallsreiche Menüs mit hochwertigen, gesunden Zutaten, serviert in Keramik-Geschirr. Das moderne Interieur mit hübschen Möbeln und hellen Farben verbreitet eine gemütliche Atmosphäre. Das Theken-Personal geht auf individuelle Wünsche ein, erklärt einem freundlich das aktuelle Tages-Menu. Obwohl zügig gearbeitet wird, wird man als Gast nicht unter Zeitdruck gesetzt. Der Leiter des Lokals kennt die Stammgäste mit Namen, erkundigt sich danach, wie es bei der Arbeit läuft, spendiert auch einmal einen Espresso oder ein Glacé. Ein Schnell-Restaurant mit echter Gastgeber-Kultur, in dem man sich wohlfühlt.
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Inszenierung (fast) auf den Punkt

Ein Unternehmen errichtet inmitten der Schweizer Bergwelt am Lunghinsee über Maloja eine temporäre Berghütte. Was auf den ersten Blick nach «Auffallen um jeden Preis» daherkommt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als passende Marketingmassnahme mit Raffinesse und Mehrwert fürs Publikum. Die Schweizer Laufsportfirma On hat diese verrückte Idee realisiert und für ein halbes Jahr eine Monta Rosa-Hütte im Taschenformat realisiert. Ihre Berghütte im Engadin ist kaum grösser als eine Garage. Sie bietet Innen eine Kombination von moderner alpiner Ästhetik und Funktion ohne jeden Luxus. Aussen ist die Berghütte von einer glänzenden Metallfassade umgeben, die die Umgebung spiegelt und sie gleichzeitig einem riesigen Kristall gleich auffällig in die Landschaft stellt.
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Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk: Zwei Schweizer Teams in den Top 3

Hochgeschwindigkeitsreisen sollen in der Zukunft vermehrt von der Luft auf die Schiene verlagert werden, genauer gesagt auf Schienen in vakuumierten Stahlröhren – das zumindest ist eine der Ideen, die der südafrikanische Technik-Visionär und Unternehmer Elon Musk derzeit unter Hochdruck verfolgt. Um die dazu notwendigen Innovationsaktivitäten anzukurbeln, veranstaltet sein Unternehmen, SpaceX, seit 2017 einen Geschwindigkeitswettbewerb für Studenten-Teams aus der ganzen Welt. In der diesjährigen Endausscheidung ist es zwei Teams aus der Schweiz gelungen, sich in den ersten drei Rängen zu platzieren. Beiden Teams möchten wir herzlich gratulieren. Sie haben einem breiten Publikum auf greifbare Weise vermittelt, dass die an den Schweizer Hoch- und Fachhochschulen ausgebildeten Fachkräfte auf Weltklasse-Niveau mithalten können.

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Was NASA zu einer Marken-Ikone macht

Die Astronauten von Apollo 11 beim ersten Debriefing (immer noch unter Quarantäne)

Der Mann in der Warteschlange der Cafeteria sticht überhaupt nicht aus der Menge. Jung, kurze Haare, Brille. Erst als er sich kurz umdreht, ist zu sehen, dass er ein NASA-T-Shirt trägt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er für die NASA arbeitet, ist praktisch null. Wenige NASA-Mitarbeiter verirren sich in die Schweiz. Nein, hier bekennt sich ein Schweizer dazu, Fan einer Marke zu sein, die dem amerikanischen Staat gehört.

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The Extra Mile

Wer am Züri Fäscht am letzten Wochenende nach 1 Uhr nachts den ÖV benützen wollte, musste einen Nachtzuschlag bezahlten. Mittels eines SMS bot der ZVV eine einfache und heutzutage jedermann zugängliche Lösung an. An allen Haltestellen waren unübersehbare Hinweisschilder platziert. Doch der ZVV meinte es noch besser mit seinen Kunden. Er liess Patrouillen zirkulieren, die mit übergrossen Schildern ausgerüstet waren und die Einstiegswilligen zusätzlich auf die Notwendigkeit des Zuschlags hinwiesen.

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Entscheidende Szenen

Vor einigen Tagen durfte ich als Gast an der jährlichen Partzipantenversammlung der Thurgauer Kantonalbank teilnehmen. 3’000 Partizipantinnen und Partizipanten fanden sich zum fünften Mal in der Bodenseearena in Kreuzlingen ein. Vom Empfang über den Informations- und Showteil bis zum anschliessenden Nachtessen stimmte alles – das gemeinsam im Stehen gesungene Thurgauer Lied bildete den emotionalen Höhepunkt. Rundum zufriedene Gesichter, ein Fest.

Schnitt. Luzern, Ende Mai dieses Jahres: GC verliert gegen Luzern im Match der letzten Chance. Das Resultat besiegelt den erstmaligen Abstieg der Grashoppers in die Challenge League seit 70 Jahren. GC-Fans stürmen das Spielfeld und zwingen die Spieler ihrer Mannschaft, Trikots und Hosen als Symbole ihres Vereins auszuziehen und abzugeben. Das Geschehen geht als Skandal in die Vereinsannalen ein.

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